1 Einleitung: Von der Kredit- zur Cash-Orientierung (S. 9-10)
»Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen ganzen Monat für Geld zu arbeiten.« Heinz BRESTEL, dt. Finanzjournalist
Cash war wichtig – ist wichtig – wird immer wichtiger! Rentabilitätsüberlegungen hingegen wurden im Finanzbereich lange Zeit vernachlässigt. Als finanzwirtschaftlich seriös galten lange Zeit nur solche Unternehmen, die eine ausreichende Liquiditätssicherung betrieben. Erst durch die zunehmende Globalisierung und Internationalisierung der Märkte und Standorte, verbunden mit der steigenden Volatilität von Zins- und Währungskursen in den 70er und vor allem 80er Jahren rückten Rentabilitätsüberlegungen wieder vermehrt in den Blickpunkt des Interesses. Zu dieser Zeit entstand im US-amerikanischen Raum unter der Bezeichnung »Cash-Management« ein Konzept, das die Forderung der Liquiditätssicherung mit der Notwendigkeit der höchstmöglichen Reduktion von Opportunitätskosten verband.
Leitgedanke war die Ablöse der rein administrativen Verwaltungsaufgabe der Finanzabteilung durch die aktive Gestaltung der Liquiditätsbestände und Zahlungsströme der Unternehmen. Die finanzielle Unternehmensstruktur in den USA ist heute, fast 40 Jahre später, viel stärker liquiditäts- und marktorientiert als in Europa. Das aktive Management von Cash hat in den USA eine erheblich breitere Marktdurchdringung und auch einen höheren Stellenwert. Die momentane Entwicklung der Finanzkultur in Kontinentaleuropa wird stark von bankinternen Ratings im Zuge der Basel-II-Regelungen beein- flusst und lässt schon jetzt einige radikale Änderungen erkennen. Vor allem durch die neuen Bonitätskriterien und die daraus resultierende Erhöhung der Kreditkosten wird Kapital teurer. Ziel muss es also sein, vorhandene Ressourcen effektiv und effizient einzusetzen.
Gäbe es eine Reihung der wichtigsten Gründe für die zunehmende Bedeutung des Cash-Managements, stünden wohl an oberster Stelle:
• die Einführung des Euros als zusätzliche Leitwährung zum US-Dollar,
• die Erhöhung der Exporte und Importe durch die Globalisierung der Märkte,
• die Zunahme von Non- und Nearbanks,
• die EU-Erweiterung mit der Integration von Zentral- und Osteuropa.
Zu diesen Veränderungen gesellt sich eine neue Kapitalmarktkultur und ein Liquiditätsverständnis, wie es in den USA vorherrscht. Das macht es für immer mehr traditionell operierende Unternehmen nötig, sich von der bisherigen Finanzierungs- und Finanzmanagementstrategie zu lösen, die von einem starken Sicherheitsdenken ausgeht und kredit- und bankenorientierte Finanzierungen bevorzugt. Mit der zunehmenden Kontrolle, Messung und Steuerung von Risiken, die aus der Unsicherheit von Marktentwicklungen und der Risikoaversion von Investoren und Banken resultiert, nimmt die Cash-Orientierung zu.
Hier ist der Einsatz von speziellem Know-how gefragt, das einerseits im Sinne der Rentabilitätsbetrachtung einen positiven Beitrag zum Ergebnis des Unternehmens liefert und andererseits die lebensnotwendigen finanziellen Spielräume aufrechterhält bzw. vergrößert. Obwohl das Managen der Liquididät schon immer wichtig war, wird das Management der kurzfristigen Liquidität – nicht zuletzt durch die drei oben angeführten Gründe – auch in Europa im geschäftlichen Alltag eine immer bedeutendere Rolle spielen und einen ganz neuen Stellenwert im Finanzmanagement und in der Unternehmensführung erlangen.
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