Verantwortung – die erste Qualität (S. 40-41)
Finde, geh’ und verantworte deinen Weg Der richtige Weg und wie man ihn erkennt: Für jeden Menschen gibt es seine eigenen, richtigen Wege. Selten sind es die Trampelpfade, auf denen sich alle bewegen. Das ist gar nicht so leicht zu erkennen, denn Erziehung und Gewohnheit machen blind. Und erst recht nicht die Umsetzung. Aristoteles spricht von der „Tugend, gegen eine Norm zu verstoßen" (Epikie), wenn das Befolgen der Norm keinen Erfolg mehr erwarten lässt. Damit hat er den Kern unserer umstürzenden Gesellschaft beschrieben: Die Änderung rast, die Normen hinken nach. Das macht es heute schwerer denn je, „Nein" zu sagen zum Selbstverständlichen.
Wir haben schon Unsicherheiten genug, mit denen wir uns herumschlagen müssen. Und da soll man auch noch als Störenfried „Nein" sagen zum ganzen Bisherigen? Wer schwimmt schon gerne gegen einen Strom zweifelnder oder vorwurfsvoller Gesichter? Aber der Drache steigt gegen den Wind. Man braucht diesen Gegenwind des „Nein", wenn man zu etwas Neuem „Ja" sagen will. Ist man erst über diese Hürde, wird es ganz einfach, den richtigen, also den eigenen Weg zu erkennen: Man achtet auf die Momente und Gelegenheiten, in denen man Begeisterung und Glück spürt – und tut dann das Nötige, um diese Stimmung zu erhalten.
Der glückliche Weg
Wir waren unterwegs auf einer Skitour zur Laufenerhütte im Salzburger Tennengebirge. Eigentlich nichts Besonderes. Ich war damals ein Bub von zwölf Jahren und schon begeistert von Skitouren. Wir stiegen der Spur entlang hinauf zum Hochplateau. Die Schneehänge weit und klar, um uns unberührte, ursprüngliche Natur. Das Gehen mit den Skiern war leicht und angenehm. Die Spur fest und griffig. Langsam und rhythmisch stiegen wir hinauf. Da hatte ich plötzlich so etwas wie ein Glücksgefühl. Es gibt sie, selten zwar, aber es gibt sie, diese Momente der völligen Übereinstimmung mit dem Leben, an die man sich noch Jahrzehnte später erinnert. Es war einfach da, ohne besonderen Grund: Glück. Glück: dieses so schwer zu beschreibende, eigentlich nur erlebbare Lebensgefühl. Wo alles ganz normal ist und doch anders, schwebend.
Wo alles stimmt und komplett ist – kein Wünschen und Hoffen mehr. Wo das Leben einfach eine besondere Qualität hat. Menschen wollen glücklich sein. Es klingt kitschig, aber es ist der Kern: ein Leben führen, das gelingt, wo Freude, Spaß und Begeisterung ihren Platz haben. Wo der Optimismus triumphiert. Das war so ein Moment. „Das Glück ist ein Vogerl", sagt man bei uns. Und tatsächlich, die Augenblicke des Glücks fliegen vorbei. Das Glücksgefühl verging, wie es gekommen war. Aber es ist immer wieder gekommen. Häufig dann, wenn ich etwas tat, wo ich gefordert war, mich überwinden musste, mich in der Hingabe an diese Aufgabe verlieren und vergessen konnte. Die bewusste Suche nach Glück funktioniert nicht. Glück ist das Ergebnis der Paradoxie, dass man sich erst findet, wenn man sich verliert.
Dieses Mich-selbst-nicht-so-wichtig-Nehmen bringt Genügsamkeit, Zufriedenheit und die Fähigkeit, die Situation so zu nehmen, wie sie ist. So kann Glück entstehen. Beim Bergsteigen, im beruflichen Alltag, in der Familie und überall sonst. Nicht äußere Umstände entscheiden darüber, sondern unsere Einstellungen. Wer die richtige hat, braucht sich um den Erfolg keine Sorgen mehr zu machen. Ich war schon von Kindheit an ein begeisterter Bergsteiger.
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