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Business Know-how Frankreich
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Business Know-how Frankreich
von: Christoph Barmeyer, Stefanie von Wietersheim
Redline Verlag, 2007
 
Format: PDF, PDF
geeignet für: PC, MAC, Laptop Online-Lesen

ISBN: 9783868811049

Preis*:      14,90  

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Leseprobe

5. Verhalten und Besonderheiten im französischen Geschäftsleben (S. 81-82)

»Vérité en deçà des Pyrénées, erreur au-delà«
»Wahrheit auf der einen Seite der Pyrenäen ist Irrtum auf der anderen Seite« Blaise Pascal (1588–1651)

Viele Deutsche denken beim Stichwort Frankreich an Einwohner, die das Lebensmodell des Savoir-vivre und des Laisser-faire zur Vollendung gebracht haben, die bei jeder politischen Auseinandersetzung streiken und im Geschäftsleben unzuverlässig erscheinen. Das sind Vorurteile, die kaum etwas mit der Realität zu tun haben. Zu selten wird erfasst, dass die französische Wirtschaft über Jahre hinweg leistungsfähiger war als die deutsche, dass viele französische Unternehmen extrem produktiv und innovativ sind und französische Manager als ganz hervorragende Strategen weltweit Erfolg haben. Diese Ignoranz aus deutschen Reihen verstimmt die französischen Nachbarn. Vor allem dann, wenn deutsche Muttergesellschaften gegenüber der Niederlassung in Frankreich Vorbehalte haben, was vermeintliche »deutsche Standards« in Sachen Qualität, Organisation oder Kostenkontrolle betrifft, die angeblich nicht eingehalten werden.

Ein typisches Beispiel: Vor kurzer Zeit stieß der Geschäftsführer eines deutschen Automobilzulieferers, der in Frankreich ein Werk besitzt, die französischen Kollegen vor den Kopf: Er teilte ihnen mit, dass sie von nun an für den europäischen Markt forschen und entwickeln dürften, jedoch mit Ausnahme des deutschen, denn dieser schwierige Premiummarkt könne nur von Deutschen bearbeitet werden! Das Klischee vom alleskönnenden »deutschen Oberlehrer« und vom unberechenbaren »französischen Filou«, ein Klassiker unter deutsch-französischen Managern, war wieder einmal perfekt.

Diese Szene spiegelt nur eines von vielen Problemen und Missverständnissen wider, wenn man mit Menschen arbeitet, die aus unterschiedlichen Ländern stammen. Deshalb ist es wichtig, Kenntnis von der Kultur wie auch von interkulturellen Missverständnissen zu besitzen: Kultur wird verstanden als ein erlerntes und weitgehend geteiltes System von Werten, Praktiken und Gegenständen, die in einer Gruppe oder Gesellschaft gemeinsame Bedeutungen haben. Im Arbeitsleben werden Praktiken und Gegenstände sichtbar in Begrüßungen, Arbeitszeiten und Kleidung. Werte hingegen sind unsichtbar – und extrem wichtig.

Sie bilden den Kern der Kultur und verändern sich im Laufe der Zeit nur langsam. Werte werden von Menschen unbewusst erworben und sie beeinflussen als Maßstäbe das Denken, Fühlen und Verhalten. Das Wertesystem erleichtert es Menschen, Ziele zu definieren, sich in einer komplexen Umwelt zurechtzufinden und generell Problemlösungen zu finden. Wenn zwei Wertesysteme aber aufeinandertreffen, kann es zu Irritationen kommen. Ein Beispiel: Ihre Verhandlung mit französischen Geschäftspartnern können Sie bis ins Details vorbereiten. Ihr französischer Konterpart dagegen hat es vorgezogen, offen in die Verhandlung zu gehen und sich flexibel darauf einzulassen, dass etwas Produktives daraus entstehen wird. Auf deutscher Seite finden Sie die Werte Planung und Organisation, auf französischer Seite die Werte Improvisation und Flexibilität.

Welcher Weg ist der erfolgreichere? »Es kommt darauf an«, werden Sie vielleicht denken. Und so ist es: Beide Wege führen zum Ziel, zum Geschäftsabschluss, ohne »besser « oder »schlechter« zu sein. Es sind einfach andere Wege der Zielerreichung! Eine wesentliche Erkenntnis für die erfolgreiche Arbeit mit französischen und anderen ausländischen Geschäftspartnern ist, Andersartigkeit zu akzeptieren statt sie zu bewerten. Interkulturelle Konflikte entstehen meist unbeabsichtigt, denn jeder verhält sich ja »normal« und so, wie er bisher erfolgreich war, und auch der Wille für eine Zusammenarbeit ist schließlich vorhanden. Es sind also nicht unbedingt die Unterschiede, die problematisch sind, sondern vielmehr Standpunkte und Perspektiven, über die man sich nicht offen austauscht, weil man ihre Ähnlichkeit voraussetzt. Kurz: Es gibt verschiedene Erwartungen, Wahrheiten und Interpretationen, über die Sie sich mit Ihrem Gesprächspartner



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