Retter aus dem eigenen Haus: Eine Alternative zum Einstieg von Finanzinvestoren (S. 169-171)
Für Bruno Mayer und Wolfgang Callies saß der Schock tief. Anfang 2006 kündigte die Kapitalbeteiligungsgesellschaft Norddeutsche Private Equity (NPE) den beiden Geschäftsführern überraschend ihren Ausstieg bei den Stahlwerken Bochum an. Um den Verkauf an einen weiteren Finanzinvestor zu verhindern, übernahmen Mayer und Callies selbst. Solche Management-Buy-outs gelten für mittelständische Unternehmen als sinnvolle Alternative zum Einstieg fremder Investoren. Der Bedarf an solchen Rettern aus dem eigenen Haus wachse, sagt Markus Loy, Sprecher der Geschäftsführung der WGZ Corporate Finance Beratungs GmbH (WGZ CFB), die Mayer und Callies auf ihrem Weg von Angestellten zu Eigentümern begleitet hat. Der Kauf wurde über Kredite der Muttergesellschaft WGZ Bank finanziert. Den Preis wollen Mayer und Callies nicht nennen.
NPE hatte 2004 von Thyssen-Krupp die auf Stahlguss spezialisierten Stahlwerke mit etwa 20 Millionen Euro Umsatz und 120 Beschäftigten übernommen. »Abgesprochen war eigentlich ein Engagement von fünf bis sieben Jahren«, sagt Mayer. Doch NPE sah sich wohl zum Handeln gezwungen, weil einer ihrer größten Investoren – die HypoVereinsbank – nach der eigenen Übernahme durch die italienische Großbank Unicredit auf einen Ausstieg drängte. Bis zu diesem Zeitpunkt sei die Zusammenarbeit zwischen den Stahlwerken und dem Finanzinvestor gut gewesen, sagte Mayer. So hatte die Firma mit dem Finanzinvestor im Rücken erstmals seit Jahren wieder in die Erweiterung der Gießerei investieren können. Thyssen-Krupp, zu dem die Stahlwerke Bochum jahrzehntelang gehörten, verfolgte schon seit Längerem eine Trennung von seinen Gießereiaktivitäten und betrieb deshalb nur noch Bestandserhaltung.
Stahlhämmer und Mahlkugeln
Die Stahlwerke sind nach eigenen Angaben einer von drei bis vier weltweit agierenden Spezialanbietern von hochfesten Verschleißteilen aus Stahlguss. Die Exportquote liegt bei über 70 Prozent. Wichtigstes Erzeugnis des Unternehmens sind Stahlhämmer für das Schrottrecycling, weitere Produkte Mahlkugeln oder Mahlschüsseln für die Mineralaufbereitung in der Erden-Industrie. Das Gießereigeschäft ist volatil, aber anders als manche Konkurrenten haben die Stahlwerke Bochum in den vergangenen Jahren stets Geld verdient. Die Umsatzrendite sei erfreulich, sagt Mayer. Seit dem Einstieg von NPE waren die beiden Geschäftsführer bereits mit 14,5 Prozent an ihrer Firma beteiligt. Nach der Ankündigung des Finanzinvestors waren sich die beiden Manager ganz schnell einig, den Betrieb in ein Familienunternehmen umwandeln zu wollen. Doch ihre Idee fand keinen Gefallen beim Mehrheitseigentümer NPE, der dem Vernehmen nach einen viel höheren Wiederverkaufspreis anstrebte und deshalb die Stahlwerke an einen Finanzinvestor weiterreichen wollte. Noch ein Schock für die beiden Geschäftsführer, die nicht das Schicksal der Friedrich Grohe AG teilen wollten.
Auch an dem westfälischen Armaturenhersteller war NPE gemeinsam mit BC-Partners beteiligt gewesen. 2004 reichten die beiden Finanzinvestoren Grohe an die Konkurrenten Texas Pacific Group und Credit Suisse First Boston Private Equity weiter – für einen »viel zu hohen Preis«, wie Kenner der Sanitärbranche urteilen. Grohe wurde zum Synonym für die Ausbeutung eines Industrieunternehmens durch Finanzinvestoren. Der Sparkurs bei Grohe, verbunden mit der Entlassung Hunderter Mitarbeiter, veranlasste den SPD-Politiker Franz Müntefering im Bundestagswahlkampf dazu, Finanzinvestoren als »Heuschrecken« zu bezeichnen. Der erste Einstieg eines Finanzinvestors wirke sich häufig noch positiv für ein Unternehmen aus, meint Markus Loy von der WGZ CFB. Der Weiterverkauf an einen anderen Finanzinvestor »geht dann meist zu Lasten des Unternehmens «. Die Raten, um den von den Finanzinvestoren zur Finanzierung der Übernahme aufgenommenen Kredit zu tilgen, müssen die Unternehmen häufig selbst erwirtschaften. Mit jedem Weiterverkauf steigen der Preis und die Belastung für die Firma.
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