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Körpersprache für Frauen
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Körpersprache für Frauen
von: Cornelia Topf
Redline Verlag, 2008
 
Format: PDF, PDF
geeignet für: PC, MAC, Laptop Online-Lesen

ISBN: 9783868810721

Preis*:      17,90  

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Leseprobe

3 Präsentationen, Meetings, Vorträge (S. 71-72)

Das Präsentations-Prinzip: Zeig dich!

Diese offensichtliche Bevorzugung hat jede(r) in der Abteilung schon registriert. Einige Frauen kommentieren das so: „Das ist so typisch! Frauen müssen doppelt so viel leisten wie Männer, um nur halb so viel Anerkennung zu bekommen!" Ist das nicht ungerecht? Sicher. Es ist aber auch noch etwas anderes, es ist logisch. Es ist Karin und Frank leiten beide jeweils eine Produktgruppe. Frank macht mindestens dreimal im Monat „den Vorturner", wie er das nennt. Er hält Präsentationen, moderiert Meetings und hält auch schon mal einen Vortrag bei Mitarbeiter- oder Kundenschulungen. Karin beobachtet das mit Kopfschütteln: „Hat der nichts Besseres zu tun?

Während er sich da vorne profiliert, machen seine Mitarbeiter seine Arbeit!" Dr. Müller ist Karins und Franks Chef. Er hält beide für gleich fachkompetent, beide für gleich sozialkompetent. Wen von beiden wird er befördern, wenn der Posten des Senior Product Managers nächsten Herbst frei wird? Wessen Vorschläge akzeptiert er häufiger in Meetings? Für wen hat er mehr Zeit, wenn es um anstehende Entscheidungen geht? Wem sieht er auch mal ein überzogenes Budget nach? Wen von beiden bevorzugt er unverhohlen? Wem gibt er deutlich mehr Anerkennung? Sicher haben Sie es schon erraten: Frank. zwangsläufig. Denn Karin ist aus Sicht ihres Vorgesetzten unsichtbar.

Frank ist sehr viel präsenter als Karin. Er leitet Meetings, hält Präsentationen und Vorträge. Er ist dort präsent, wo es drauf ankommt, wo er einen besonders tiefen Eindruck auf Vorgesetzte, Kollegen, Mitarbeiter machen kann. Frank wird besser behandelt als Karin und bekommt eher, was er will, nicht weil er fachkompetenter wäre – er ist es nicht –, sondern weil er präsenter ist. Präsenz ist wichtiger als Kompetenz: Kompetenz ist nützlich, Präsenz entscheidend Ist das nicht eine Sauerei? Wird Leistung nicht mehr belohnt? Zählt die „eigentliche Arbeit" so wenig? Lassen sich Vorgesetzte so leicht hinters Licht führen? Ja. Es gibt zwar Ausnahmen, doch in der Regel wird prämiert, wer sich präsentiert – bei Miss-Wahlen ist das übrigens nicht anders.

Gerade das ist eine der beeindruckendsten Wirkungen suggestiver Körpersprache: Wer einen guten Eindruck macht, nimmt Menschen für sich ein. Für diesen Eindruck reicht in den meisten Fällen schon bloße Präsenz bei der richtigen Gelegenheit aus. Frank fällt seinem Chef viel öfter positiv auf als Karin. Er sieht ihn viel öfter in Aktion. Er erlebt ihn öfter ganz persönlich. Dr. Müller kennt Karin größtenteils lediglich von ihren Arbeitsberichten – und diese sind nicht halb so beeindruckend wie der persönliche Eindruck.

„Frauen müssen doppelt so viel leisten wie Männer, um auch nur halb so viel Anerkennung zu bekommen!" Diesen Spruch kann nur im Munde führen, wer die Macht der Präsenz ignoriert oder nicht kennt – oder wer sich um die Eigenpräsentation drücken möchte. So gesehen steckt hinter diesem Spruch weniger emanzipatorisches Wer sich unsichtbar macht, muss doppelt so viel leisten, um halb so viel Anerkennung zu bekommen.



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