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Stärken stärken - Talente entdecken, entwickeln und einsetzen
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Stärken stärken - Talente entdecken, entwickeln und einsetzen
von: Alexander Christiani, Frank M. Scheelen
Redline Verlag, 2008
 
Format: PDF, PDF
geeignet für: PC, MAC, Laptop Online-Lesen

ISBN: 9783868810615

Preis*:      29,90  

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Leseprobe

Teil II: Unseren Talenten auf der Spur 4. Kapitel: Die Vielfalt der menschlichen Intelligenzen (S. 57-58)

Überblick

Wer weiß, wonach er sucht, tut sich beim Finden erheblich leichter. Dies gilt für die Orientierung in der freien Natur genauso wie für jede geistige Arbeit: Wer eine Berghütte von früheren Besuchen her kennt, wird sie in der Dämmerung leichter finden als seine Kameraden, die diese Tour zum ersten Mal gehen, weil er eine Vorstellung von dem hat, was er sucht. Börsianer, die sich in der Chart-Analyse von Aktienkursen auskennen, wissen ebenfalls, nach welchen auffälligen Kursausschlägen sie suchen. Auch sie tun sich deshalb leichter, neue Informationen in ihr Analyseraster einzuordnen als diejenigen, die beim ersten Besuch auf dem Börsenparkett von einer Informationslawine erschlagen werden. Genau das Gleiche gilt für die Suche nach unseren Talenten und Begabungen.

Führende Intelligenzforscher wie zum Beispiel Howard Gardner mit seinem Konzept der multiplen Intelligenzen haben in den letzten 20 Jahren hervorragende Landkarten für die unterschiedlichen menschlichen Intelligenz- und Talentfelder angelegt. Schauen wir uns deshalb den aktuellen Stand der Forschung einmal näher an, um damit die Ausgangsbasis für die Bestimmung unserer eigenen Intelligenzpräferenzen zu schaffen. Der Begründer der modernen Intelligenzforschung, der Franzose Alfred Binet, war – wie viele der ihm folgenden Testpsychologen – der Ansicht, Intelligenz sei eine ganzheitliche, homogene Eigenschaft, will sagen: Wenn ein Mensch in einem Bereich geistiger Leistungsfähigkeit ziemlich gut ist, dann ist er es in anderen Dimensionen auch. Diese auffassungvertraten 1994 noch Richard J. Herrnstein und Charles Murray in ihrem aufsehenerregenden Standardwerk

The Bell Curve. Wer gegen diese kühne Verallgemeinerung Bedenken erhob – weil er beispielsweise bei seinen Mitmenschen beobachtete, dass überragende sprachliche Leistungen nicht mit einer hohen Begabung in Mathematik korrelieren müssen und umgekehrt –, der wurde über viele Jahre von den Intelligenztestlern mit dem berühmten Zitat des Harvard-Psychologen Edwin G. Boring ruhig gestellt: „Intelligenz ist das, was der Intelligenztest misst" und damit basta.

Nun braucht man nicht sonderlich viel Beobachtungsgabe um festzustellen, dass die geistigen Leistungen von Menschen in verschiedenen Bereichen höchst unterschiedlich ausgeprägt sein können: Nicht jeder, der über viel musikalisches Talent verfügt, ist notwendig auch sprachlich oder logisch-mathematisch sehr begabt. So wies schon L. L. Thurstone von der Universität Chicago in den 30er-Jahren auf die sieben Vektoren des Geistes hin und sein Kollege J. P. Guilford von der Universität von Süd-Kalifornien kartorgrafierte sogar 150 Intelligenzfaktoren. Doch es sollte noch einige Zeit vergehen, bis sich die Intelligenz- Pluralisten nachdrücklich Gehör verschaffen konnten.

Yale-Professor Robert Sternberg beispielsweise führte den Begriff der „praktischen Intelligenz" in die Diskussion ein und bezeichnete damit die Fähigkeit, sinnvoll mit neuen Informationen umzugehen oder sich an verschiedene Kontexte anzupassen. Er verwies darauf, dass diese praktische Problemlösungsfähigkeit nicht mit den traditionellen IQ-Tests korreliert – eine Beobachtung, die die meis ten Menschen von ihren Klassentreffen her bestätigen können: Der Klassenprimus mit den meisten Einsern in der Schule ist nicht notwendig derjenige, der die meisten Einser im Leben eingeheimst hat ... Auch David Olson von der Universität Toronto brachte mehr praxisbezogene Überlegungen in die Intelligenzdiskussion ein.



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