8 Stark und selbstbewusst (S. 181-183)
Angst ist aber kein besonders hilfreiches Gefühl. Ich versuche herauszufinden, wie ich keine Angst mehr haben muss. Natürlich ist es nur vernünftig, wenn man sich vor diesem oder jenem fürchtet, es hilft nur nicht weiter. Matt Groening, Simpsons-Erfinder
Wenn es Sie hart trifft
Das Leben ist kein Zuckerschlecken, sagt der Volksmund. Alle Frauen, selbst die emotional stärksten, werden gelegentlich von Schicksalsschlägen gebeutelt: betrogen und verlassen werden, Scheidung, Jobverlust, Projektabsturz, wieder nicht befördert worden, beim Chef in Ungnade gefallen, 30 (40, 50, …) werden, zusehen müssen, wie die jüngere, blondere Kollegin bevorzugt wird … Es ist oft hart und niederschmetternd, von Schicksalsschlägen getroffen zu werden. Jedoch:
Die Frage ist nicht, welche Krise Sie als Nächstes erleben werden (es werden noch einige sein). Die Frage ist: Wie gehen Sie damit um?
Wir alle leiden gelegentlich unter emotionalen Krisen. Über das Leiden daran vergessen wir jedoch oft, aktiv mit der emotionalen Krise umzugehen. Wer emotionale Krisen lediglich erleidet, geht noch nicht richtig damit um. Aufwühlende Gefühle wollen auch bearbeitet werden. Das ist eigentlich schon die wichtigste Erkenntnis zum emotionalen Krisenmanagement. Im Klartext: . Bleiben Sie emotional nicht in der Problemtrance, in Niedergeschlagenheit und Frust stecken. Es ist gut, sich einige Zeit niedergeschlagen zu fühlen, sich auszuheulen, richtig superstinksauer zu sein, Vasen zu zerschlagen.
Doch wenn Ihnen das alles nichts mehr gibt (und das spüren Sie zwar schwach, doch sehr genau), dann: . Bemühen Sie sich ernsthaft darum, aktiv mit der sachlichen Seite der Krise umzugehen. Zum Beispiel wenn der Chef Sie regelmäßig völlig unverdient zur Minna macht: Lernen Sie vorwurfsfreies Feedback und geben Sie es ihm. So lange, bis er sich zivilisiert benimmt – oder Sie den Job wechseln können. . Bemühen Sie sich jedoch genauso intensiv um die emotionale Seite der Krise. „Jaja, ich weiß," sagen mir an dieser Stelle Frauen. „Ich brüte oft viel zu lange, ohne wirklich etwas für mein Seelenheil oder für die Situation zu tun."
Vorsicht: Bitte keine Selbstvorwürfe! Ich kenne keine, die den konstruktiven Umgang mit emotionalen Krisen in die Wiege gelegt bekam. Auch in Elternhaus und Schule lernen wir leider oft genug das Gegenteil (ohne dass dahinter eine böse Absicht von Lehrern oder Eltern stecken würde). Emotionale Krisenintelligenz ist eine Fähigkeit wie Kochen, Tennisspielen, Integralrechnen und Delegieren auch: Das muss frau sich erst (anfänglich mühsam) klarmachen, erarbeiten und angewöhnen. Hilfreich dabei sind praxisbewährte Strategien, von denen wir einige jetzt betrachten werden.
Trennen Sie den Müll!
Renate erzählt: „Meine Tochter, 21, rief von der Uni an. Gleich von der ersten Minute an war dicke Luft. Der absolute Tiefschlag kam, als sie mich eine ‚selbstverliebte faule Sau‘ nannte, weil ich vergessen hatte, ihr wichtige Krankenkassenunterlagen für ihre Immatrikulation zuzuschicken. Es stimmte schon: Ich hatte das vergessen. Doch diese Beleidigung gab mir einen Stich ins Herz. Ich fühlte mich in meiner Rolle als Mutter als totale Versagerin.
Ich war am Boden zerstört." Die Tochter macht so was öfter. Normalerweise ist Renate dann drei, vier Tage lang für die Welt nicht mehr ansprechbar und tief depressiv. Dieses Mal jedoch nicht: „Inzwischen gehe ich anders mit solchen Gefühlsüberfällen um. Ich trenne den Müll, wie ich das nenne. Als meine Tochter mich so schwer beleidigte, habe ich sofort mit dem Trennen angefangen und mich gefragt: Was ist das Problem? Welchen Anteil hat sie daran, welchen du?"
|