1. Gattungen Was ist eine Präsentation? (S. 10-12)
Rede, Vortrag, Kurzstatement
Die Begriffe »Vortrag«, »Rede« und »Präsentation« bezeichnen ähnliche Phänomene: In allen drei Fällen handelt es sich um die sprachliche Vermittlung von Wissen durch meist eine Person in einem formellen, klar eingegrenzten Rahmen. Diese Definition trifft sicher in den meisten Fällen zu. Es ist natürlich klar, dass eine Rede in der Regel formeller ist als ein Vortrag und ein Vortrag formeller ist als eine Präsentation.
Auch ist der jeweilige Kontext, in dem diese Formen des Wissenstransfers passieren, meist sehr unterschiedlich. Es kann sich zum Beispiel um eine mehr oder weniger abendfüllende formelle Festrede vor großem Publikum, um einen technischen Vortrag vor Spezialisten oder eine Business- Präsentation vor einer kleinen Zahl von Zuhörern in einem Meeting handeln. In den folgenden Abschnitten diese Buches wird zwischen den Begriffen »Rede«, »Vortrag« und »Präsentation« nicht genau unterschieden, da davon ausgegangen wird, dass für die genannten Formen von mündlicher Wissensvermittlung ähnliche Strukturen und Strategien zur Anwendung kommen.
Weiters werden in diesem Handbuch aber auch andere – teilweise informelle – Kommunikationssituationen, die auf mündlichem Wissenstransfer beruhen, als Präsentationen berücksichtigt. Es handelt sich hierbei um sogenannte Kurzstatements, die man kaum als Präsentationen bezeichnen würde. Der Grund, warum sie in dieses Buch aufgenommen wurden, liegt in ihrer strukturellen Verwandtschaft mit traditionellen Präsentationen und Vorträgen. Anders ausgedrückt erfordern diese Kurzstatements einen ähnlichen Aufbau und ähnliche Phrasen wie lange formelle Vorträge. Kurzstatements wird hier ein eigenes Kapitel gewidmet, da sie auf Grund ihres informellen Charakters ständig in unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen einzusetzen sind und daher auch zu den zentralen Kommunikationskompetenzen zählen.
Als eigene Gattungen unberücksichtigt bleiben Workshop oder Seminar, die eine stark dialogisch ausgerichtete Interaktion zwischen Moderator und Teilnehmern implizieren. Das Ausklammern dieser Formen in diesem Band bedeutet keineswegs, dass nicht einige der hier behandelten Techniken auch in Se minaren oder Workshops zur Anwendung kommen. Grundsätzlich sind sie aber aufgrund ihrer anderen Zielsetzung und Organisationsstruktur von der Besprechung ausgenommen. Was ist nun das eigentlich »Amerikanische« der hier behandelten Präsentationen? Es wird davon ausgegangen, dass im anglo-amerikanischen Raum für die oben erwähnten Situationen eine sehr spezifische Art der Präsentationstechnik verwendet wird, die sich durch klare und einfache Strukturen sowie leicht nachvollziehbare Regeln auszeichnet. In den folgenden Abschnitten dieses Buches werden diese Regeln und Strukturen für ein deutschsprachiges Publikum aufbereitet und nutzbar gemacht.
2. Aufbau Was gehört zu einer englischsprachigen Präsentation?
Einleitung, Hauptteil, Schluss, Frageperiode Auf die Frage nach den Teilen eines Vortrags oder einer Präsentation werden die meisten Befragten mit großer Wahrscheinlichkeit die richtige Antwort geben – nämlich Einleitung, Hauptteil und Schluss. Es ist erstaunlich, dass trotz des Wissens um den richtigen Aufbau einer Präsentation vielen Vortragenden Funktion und Aufgabe der einzelnen Teile nicht bewusst ist. Dieses Wissen ist aber unabdingbar, um einen effizienten und gut strukturierten Vortrag halten zu können.
Natürlich ist diese Gliederung in Einleitung, Hauptteil und Schluss kein spezifisch englischsprachiges Phänomen, sondern ein mehr oder weniger universell verwendetes Strukturprinzip für Vorträge. Dennoch kommt es innerhalb dieser Struktur zu kulturspezifischen Modifikationen. Amerikanische Präsentationen nützen bestimmte Teile in anderer Weise als zum Beispiel die meisten deutschsprachigen Vortragenden. In den folgenden Kapiteln werden die unterschiedlichen Abschnitte und Teilaspekte von Präsentationen besonders unter diesen kulturspezifischen Gesichtspunkten erarbeitet.
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