5. Bildhaft reden – die Gestik (S. 113-114)
Ob Merkel oder Beckenbauer, erfolgreiche Redner setzen Gesten ein, um andere Menschen von ihren Inhalten zu überzeugen. Gesten sind Ausdruck momentaner Gefühlsverfassungen oder Gedanken, die dem Redner im Moment des Redens durch den Kopf schwirren. Gesten werden ebenso schnell wie spontan über das gesprochene Wort nach draußen in die Sichtbarkeit begleitet, da Sprache und Körpersprache zumindest bei einer Rede immer zusammengehören. Wenn Sie abends eine Bar besuchen, um dort zu flirten, geht’s natürlich auch ohne Worte und ausschließlich mit Ihrer Körpersprache.
Bei einer Rede gehören Wort und Geste zusammen. Wenn diese zwei auch noch zueinanderpassen, spricht man von einem kongruenten Auftreten. Redner, die in der Öffentlichkeit stehen und reden, sollten nicht nur vorbereitet sein, sondern auch etwas bewegen wollen. Um dieses Ansinnen zu verstärken, setzt der Redner seine Gestik ein. Das wirkt bildhafter, lebendiger und motivierender. Lässt er allerdings seine Arme seitlich hängen und drückt sie auch noch an die Seiten seines Oberkörpers, kann die Hand nicht handeln. Die Hand ist nun einmal unbestritten derjenige Körperteil, der greifen und anpacken kann und somit direkt mit dem Handeln verknüpft ist. In seltenen Fällen ist es möglich, auch ohne Gestik zu überzeugen. Solche Redner haben eine hervorragende Rhetorik. Wenn sie dann auch noch eine interessante Stimme haben, kommen sie auch ohne körpersprachliche Unterstützung aus. Alle anderen Redner, die diese zwei Fähigkeiten nicht in überragendem Maße besitzen, sollten die Körpersprache als Hilfsmittel und Verstärker einsetzen und nutzen.
Das heißt jetzt aber keinesfalls, dass Sie Gesten von außen aufsetzen. Gesten sollten mit Ihren Worten und Emotionen in Verbindung stehen. Die meisten Gesten, die von Emotionen getragen werden, sind authentisch und damit überzeugend. Falsch wäre es also, wenn Sie ohne die dazugehörige Emotion plötzlich eine Faust beim Reden machen würden. Dann sollten Sie Ihre Hände lieber in der Hosentasche versenken, denn Gesten, die aufgesetzt sind, wirken nicht authentisch. Wenn Sie über Gesten nachdenken, haben Sie ebenfalls verloren, denn diese Spielerei kostet Sie Ihre Glaubwürdigkeit.
Sinnvoll ist es, sich wirklich in Rage zu reden und dann die kleine und natürliche Verspannung der Hand zu nutzen, um die Faust in diesem Moment in das Blickfeld des Zuhörers zu rücken. Sie können sich nicht in Rage reden? Dann überprüfen Sie Ihr Thema und finden Sie heraus, ob Sie noch ausreichendes Engagement dafür verspüren. Ist dies nicht der Fall, geben Sie die Rede einem Kollegen oder bauen Sie sie um. Sind Sie in einer Überzeugungsrede nur der Informationsverteiler, sparen Sie sich die kostbare Zeit. Es sei denn, Sie halten tatsächlich nur eine Informationsrede (siehe Rhetoriktipp 5.5).
Fazit
Alle Redner, die eine Überzeugungsrede halten, haben eine Mission, nämlich die Zuhörer von ihren Ideen, Vorschlägen, Meinungen oder Produkten zu überzeugen. Sie kommen daher um die Vorbildfunktion des Händlers nicht herum und sollten deshalb gestikulierend reden, um das Gesagte zu verstärken.
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