PS Anruf aus der Vergangenheit (S. 353-354)
Markus Grimm
Es war Dezember 2007, ein weiteres ganzes Jahr war vergangen, in dem ich mir extrem den Arsch aufgerissen hatte, um irgendwie weitermachen zu können und einen Neuanfang zu starten. Den Stempel des Popstar-Losers abzulegen, kostet enorm viel Kraft. Ich spreche ja nicht einmal davon, sich wieder zurück ins Business zu kämpfen oder einen Plattenvertrag zu bekommen, nein, ich wollte dort wieder anfangen, wo ich war, als ich noch die Einzelperson Markus Grimm gewesen war. Ich meine, bevor ich von einer Person zu einer Band zusammengeschmolzen wurde.
Ich muss zugeben, dass sich das Ganze seit dem Erscheinen von Room 2012 nicht mehr so extrem nach Verlierer anfühlte. Denn nachdem es die Nachfolgeband von Monrose so dermaßen gnadenlos in allen Ländern verkackt hat, gab es nach uns sogar eine Band, die noch schlechter abgeschnitten hatte als wir. Wir hatten wenigstens noch eine Nummer-eins-Single und ein Nummer-eins- Album und bekamen Gold. Room 2012 dümpelte kurzzeitig irgendwo in den Top Ten herum und schon während der laufenden Staffel wollte diese Band eigentlich keiner mehr haben. Mit solchen Gedanken bin ich in der Zeit vor Weihnachten 2007 häufig ins Bett gegangen.
Ich war kurz davor, ein neues Stadium zu erreichen. Ich war fast mit mir selbst im Reinen und hatte abgeschlossen. Es war angenehm zu wissen, wohin ich wollte und was ich in Angriff nehmen wollte. Irgendwann abends vibrierte dann mein Handy und ich erhielt eine SMS von einer Nummer, die ich nicht kannte, die allerdings eine verdächtige Zahlenkombination aufzuweisen hatte. Deutsche Promis bekommen sehr oft bezahlte Handys samt kostenfreien Kontingenten, mit denen sie dann für null Euro in der Weltgeschichte herumtelefonieren dürfen. Diese Verträge haben meist die Besonderheit, dass sich eine bestimmte Zahl zwischen null und neun sehr oft wiederholt. Bei dieser Nummer war es die Sieben, die diese verdächtige Promi-Häufung aufwies. Ich öffnete die SMS und da stand: »Das ist meine neue Nummer! Kris.«
Ich musste diesen Satz mindestens fünfmal lesen, um zu begreifen, was da stand. Meine Hände fingen mit jedem Mal lesen heftiger an zu zittern. Nach allem, was passiert war, nachdem ich vom »Lieblingsmenschen« zum Toten erklärt worden war und zwei Jahre lang Funkstille geherrscht hatte, holte mich die Vergangenheit ein und ich fühlte mich wieder, als ob ich gerade das Finale gewonnen hätte. Zuerst legte ich das Handy weg und dachte nur: »Das kann sie nicht ernst meinen.« Dann nahm ich das Telefon wieder in die Hand und tippte auf »antworten«: »Ich glaube nicht, dass du diejenige bist, für die du dich ausgibst.« Zwei Minuten später klingelte das Handy. »Das darf doch einfach nicht wahr sein«, murmelte ich vor mich hin. Als ich ranging, sprang mir förmlich eine total liebreizende Kristina entgegen, so als wären nicht mehr als zwei Jahre vergangen, sondern als ob wir uns vor zwei Tagen das letzte Mal gesprochen hätten.
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