TEIL I Baumeister und die Lage auf der Vermögens-Baustelle (S. 15)
Lieber eine Stunde über Geld nachdenken als eine Stunde für Geld arbeiten. John Rockefeller, Bankier und Milliardär
Die meisten Menschen werden nur deswegen nicht reich, weil sie vor lauter Arbeit keine Zeit zum Geldverdienen haben. Jimmy Durante, Schauspieler
1 Der Bauplan für ein Portfolio, den Banken verheimlichen
Seit Generationen wissen wir, dass Bauern »nicht alle Eier in einen Korb legen« sollen. Diese Binsenweisheit drang zur Finanzwelt vor und so war die richtige Mischung von Aktien und Wertpapieren seit jeher Gegenstand der Betrachtung. Je breiter die Mischung, desto geringer das Risiko, ausgerechnet die Nieten zu erwischen.
Wie sieht nun das private Portfolio in Deutschland aus, das neben 4,6 Billionen Euro Immobilienvermögen über 4,5 Billionen Euro Geldvermögen umfasst (bei Schulden von 1,5 Billionen)? Die Rendite von 3 bis 4% des Geldvermögens liegt naturgemäß nahe bei der Rendite der stark gewichteten Bankanlagen.
Der typische Deutsche legt offensichtlich risikoscheu und mager verzinst an. Nach Börsencrashs, Inflation und mehrjährigen Niedrigzinsphasen erkennen viele Sparer allerdings, dass Banken wie Anlagegurus jahrzehntelang keine ertragreiche Mischung feilboten. . vgl. Kapitel 3, Hilflose Bankberater. Das irrige Motto von Bankern, Buchautoren und Börsengurus der letzten Jahrzehnte lautet: »Streuen Sie auf Aktien, Renten und Zertifikate.« Die Wahrheit ist, dass Sie damit kaum streuen, denn die Börsen sind verwandt, Aktien werden gar in Sippenhaft genommen. Vor allem bleiben wesentliche Märkte außen vor.
Portfolios der Erfolgreichen
Besser wäre es gewesen, sich nach den Portfolios der Erfolgreichen zu richten. Also nicht nur weniger der zerbrechlichen traditionellen Eier in den Korb zu legen, sondern alternativ Gemüse und Obst beizufügen. Die Erträge der konservativen Stiftungsvermögen der Universitäten Harvard (16,2% p. a. 1992–2007) und Yale (16,8% p. a., seit 1985 nur ein Jahr Verlust) oder der Harald-Quandt-Holding schlagen seit vielen Jahren diejenigen herkömmlicher Investmentfonds um Längen.
Yale erzielte 2007 auf seine 18 Mrd. Dollar Vermögen 28% Ertrag, Harvard 23% auf stolze 29 Mrd. Dollar, Stanford 23% auf 19 Mrd. (1997–2007 15,1% Ertrag pro Jahr). Jedes Jahr, selbst in Börsenkrisen, erwirtschafteten die Stiftungen Gewinne. Nur 2008/2009 werden sie wohl nicht ungeschoren davonkommen, denn sie sind börsenlastig, haben langfristig aber die Nasen weit vorn. Woran liegt das?
An der hohen Gewichtung alternativer Anlageklassen und von Sachbeteiligungen, die dort Tradition hat. So hat Yale als erster institutioneller Investor seit 1990 Hedge-Fonds im Portfolio: Über 2,7 Mrd. Dollar von Harvard stecken in Waldgebieten, im Kaufjahr ein Anteil von über 11%. Die Vermögensverwaltung Auda, die unter anderem für die Familie Quandt in den USA arbeitet, investiert ein Milliardenvermögen in Private-Equity- und Hedge-Fonds.
Die Universität von Texas verwaltet über 13 Mrd. Dollar, knapp 12% davon in Private Equity. Denselben Anteil hält Stanford und darüber hinaus 18% in Hedge-Fonds bzw. »Total-Return«-Fonds. Die Pensionskasse der Staatsbediensteten Kaliforniens, CalPERS, steckte bislang 6,1% ihrer 250 Mrd. Dollar in Private Equity. Die deutsche Allianz-Versicherung war per 2006 mit 3,8 Mrd. Dollar investiert. Das alles kann so verkehrt für den Normalanleger folglich nicht sein.
Die Feri Wealth Management, eine der größten deutschen Vermögensverwaltungen und nur für Anlagesummen ab 5 Mio. Euro tätig, empfiehlt, die Hälfte des Vermögens in alternativen Investments anzulegen.1 Professor David Swensen baute das Vermögen der Yale-Stiftung auf und sagte, sein Weg zum Erfolg sei »ein wirklich diversifiziertes Portfolio und eine starke Orientierung an Aktien und aktienähnlichen Anlagen.«
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