FALLGRUBE Nr. 36 (S. 126-127)
EINE AKTIE MINDESTENS FÜR DEN EINSTANDSPREIS VERKAUFEN ZU WOLLEN; ODER: VERLUSTE ZU LANGE AUSZUSITZEN
Unter Joes besorgniserregenden Einstellungen befindet sich eine der kostspieligsten und weitverbreitetsten Fallgruben für alle Anleger, die es wert ist, für sich alleine untersucht zu werden: Der Anleger glaubt, keine Alternative zu haben, als an seiner Aktie festzuhalten. Diese Einstellung kann sich auf verschiedene Weise äußern: »Ich kann keine Aktie im Verlust verkaufen.«; »Ich muss an einer Aktie festhalten, bis ihr Kurs wieder mindestens bei dem ist, was ich dafür bezahlt habe.« Die Worte »müssen« und »nicht können« deuten an, dass es keine andere Wahl gäbe. Natürlich »müssen« Sie ein verletztes Kind eiligst ins Krankenhaus bringen, aber Sie »müssen« nicht an einer Verlustposition festhalten. Der unglückliche Anleger, der an diesem Glauben festhält, kann eine schlechte Aktie über viele Jahre hinweg halten, bis sie sich schließlich wieder auf den Einstandspreis zurückbewegt.
Wie bereits festgestellt, lautet ein grundlegender Lehrsatz an der Börse, dass Sie Ihre Verluste begrenzen und Ihre Gewinne laufen lassen sollten, aber »müssen« und »nicht können« halten Sie davon ab, dies zu tun. Die Notwendigkeit, diese Einstellung zu hinterfragen, ist bereits besprochen worden, aber eine neue Einstellung muss artikuliert und häufig wiederholt werden.Wir alle wollen und erwarten am Anfang, dass unsere Aktien steigen, aber das ist etwas ganz anderes, als sie in jedem Fall behalten zu »müssen«. Die Einstellung, die Sie sich einprägen sollten, lautet: »Ich will, dass meine Aktie steigt, aber ich werde sie verkaufen, wenn sie unter _____ $ geht.« Auf diese Weise programmieren Sie sich, die Fallgrube des »Müssens « zu vermeiden, anstatt in sie hineinzufallen. Die Wiederholung ist erforderlich, um Sie mit einem gut durchdachten persönlichen Plan (dieser wird im folgenden Kapitel behandelt), individuellen Strategien und Handelsregeln neu zu programmieren und Ihre irrationalen Einstellungen zu ersetzen. Eine andere Methode, sich selbst zu programmieren, um wesentliche Verluste zu vermeiden, besteht darin, folgende Meinung zu entwickeln: »Ich werde an einer Aktie nicht festhalten, sobald ich glaube, dass die Wahrscheinlichkeit eines Kursrückgangs größer ist als die Wahrscheinlichkeit eines Kursanstiegs.« Noch einmal: Nutzen Sie eine starke Einstellung – »Ich werde nicht« –, um eine weit verbreitete Fallgrube zu vermeiden.
Die Einstellung, etwas zu »müssen«, kann in allen Bereichen des Lebens Schwierigkeiten verursachen, nicht nur an der Börse. In meiner klinischen Praxis habe ich viel mit Menschen zu tun, die unter Stressfolgen leiden. Es sind normale Menschen – Menschen wie Sie und Ihre Nachbarn –, die keine ernsten psychologischen oder emotionalen Probleme haben. Und doch, diese normalen, geistig gesunden Menschen setzen sich unglaublich unter Druck und tun dann vollkommen irrationale Dinge. Zum Beispiel werden sie sich abhetzen und rücksichtslos fahren, nicht etwa weil es einen Notfall gibt, sondern weil sie rechtzeitig ankommen »müssen«. Dies ist etwas,was die meisten von uns schon einmal getan haben:Wir haben uns selbst und andere gefährdet,weil wir über die Autobahn gebrettert sind, nur weil wir für einen Termin, eine Sitzung oder eine Verabredung spät dran waren.Warum haben wir das getan? Weil wir glaubten, dass wir rechtzeitig da sein »müssten« – wir definierten die Situation als einen Notfall und nahmen sie entsprechend wahr. Mit einem schwer verletzten Kind zum Krankenhaus zu eilen ist eine Situation auf Leben und Tod, in der es Sinn hat, auf diese Weise zu fahren.Aber es hat keinen Sinn, sich so abzuhetzen,wenn wir uns zur Sprechstunde beim Arzt, einer Verabredung oder einer Geschäftssitzung verspätet haben.
Wenn jedoch die »Notfall«-Linse vor unseren Augen ist, werden wir auf solch eine Situation genauso reagieren wie bei dem verletzten Kind, das schnellstens ins Krankenhaus gebracht werden muss.
Es ist eine wohlbekannte Tatsache, dass wir dazu neigen, bessere Entscheidungen zu treffen, wenn wir ruhig sind, als wenn wir unter äußerstem Druck stehen. Da die Unsicherheiten der Börse oft eine unvermeidliche Quelle für Angst sind, wird es jedem nützen, unnötigen, selbstverursachten Druck zu vermeiden.
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