Kapitel 3 Hintergründe des Wellenprinzips (S. 123-124)
Die Fibonacci-Zahlenreihe wurde von Leonardo Fibonacci da Pisa, einem Mathematiker des 13. Jahrhunderts entdeckt (eigentlich wiederentdeckt). In diesem Kapitel werden wir uns zuerst mit den historischen Fakten über Fibonacci beschäftigen und dann die nach ihm benannte Zahlenreihe (die technisch betrachtet eine Zahlenreihe und keine Zahlenfolge ist) genauer erklären. In seinem Buch Nature’s Law hat Elliott darauf hingewiesen, dass die Fibonacci-Zahlen die mathematische Grundlage der Elliott-Wellen bilden. (Interessierte Leser können sich in dem demnächst in der New Classics Library erscheinenden Band Mathematical Basis of Wave Theory von Walter E. White eingehender über die den Elliott-Wellen zugrunde liegende Mathematik informieren.)
Leonardo Fibonacci da Pisa
Das europäische Mittelalter war eine Periode tiefgreifenden kulturellen Verfalls. Es begann mit dem Fall von Rom im Jahr 476 unserer Zeitrechnung und endete um das Jahr 1000. Während dieser gesamten Periode gerieten Mathematik und Philosophie in Europa zunehmend in Vergessenheit, während sie in Indien und den arabischen Ländern gleichzeitig eine Blütezeit erlebten, da sich die europäische Kultur der damaligen Zeit nicht in den Osten erstreckte. Erst als sich Europa langsam wieder aus dieser Stagnation befreite, wurde der Mittelmeerraum erneut zum kulturellen Schmelztiegel, über den der Handel, die Mathematik und andere neue Ideen aus Indien und dem Nahen Osten nach Europa flossen.
Während des frühen Mittelalters war Pisa zum stark befestigten Stadtstaat und einer blühenden Handelsmacht geworden, an deren Ufern sich die Handelsrevolution dieser Epoche widerspiegelte. Le der, Pelze, Baumwolle, Eisen, Kupfer, Zinn und Gewürze wurden innerhalb der Stadtmauern gehandelt, wobei Gold als wichtige Währung diente. Der Hafen war voller Schiffe, die bis zu vierhundert Tonnen schwer und fast 30 m lang sein konnten. Das Wirtschaftsleben Pisas unterstützte eine Leder- und Schiffsbauindustrie sowie eine Eisenschmelze. Das politische Leben der Stadt war selbst nach heutigen Maßstäben wohlgeordnet. Der Gouverneur der Republik wurde beispielsweise erst nach Ende seiner Amtszeit für seine Dienste bezahlt, da seine Verwaltungstätigkeit erst zu diesem Zeitpunkt wirklich dahingehend überprüft werden konnte, ob er sein Honorar auch wirklich verdient hatte. Und in der Tat war unser Mann Fibonacci einer dieser Prüfer.
Leonardo Fibonacci kam zwischen 1170 und 1180 als Sohn eines prominenten Händlers und Stadtbeamten zur Welt und lebte wahrscheinlich in einem der vielen Türme Pisas. Die Türme dienten gleichzeitig als Werkstatt, Festung und Familienwohnsitz und waren so konstruiert, dass aus engen Fensterschlitzen Pfeile abgeschossen und brodelnder Teer auf Fremde gegossen werden konnte, die sich in feindlicher Absicht näherten. Zu Fibonaccis Lebzeiten befand sich auch der später als Schiefer Turm von Pisa bekannte Glockenturm im Bau. Er war das letzte dreier großartiger Gebäude, die in Pisa gebaut wurden, zusammen mit der einige Jahre zuvor fertig gestellten Kathedrale und einer Taufkirche.
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