5 Anleihen (S. 73-74)
- Allgemeines (Was sind Anleihen? Wie lassen sich Anleihen einteilen? Wie entsteht der Kurswert einer Anleihe?) - Bewertung von Anleihen (Anleihen und das Thema Risiko, Ratingagenturen) - Staatsanleihen (Risiken bei Anleihen von Schwellenländern – Beispiel Argentinien, Bundeswertpapiere) - Unternehmensanleihen (Risiken bei Unternehmensanleihen, Privatplatzierungen, der Fall Parmalat)
Allgemeines
Wenn Privatpersonen einen Kredit benötigen, müssen sie diesen bei einem Kreditinstitut in Anspruch nehmen. Die Bank oder Sparkasse diktiert bei diesem Geschäftsvorgang die Bedingungen, zu denen das Geld aufgenommen werden kann. Anders als Privatpersonen haben Staaten, Bundesländer oder Städte – also die öffentliche Hand –, aber auch Unternehmen sowie Banken eine zusätzliche und wesentlich vorteilhaftere Möglichkeit, sich Geld zu beschaffen: Sie emittieren Anleihen auf dem Kapitalmarkt. Diese Wertpapiere werden oft auch als Rentenpapiere, Schuldverschreibungen oder Obligationen bezeichnet.
Der auch immer wieder verwendete englische Fachausdruck lautet Bond. Anleihen stückeln sozusagen den großen Kreditbedarf z. B. von einzelnen Staaten oder großen Unternehmen in tausende Einzelkredite über unterschiedlich hohe Beträge – die sogenannten Nennwerte – mit verschiedenen Laufzeiten und Zinssätzen. Da die Emittenten bei der Ausgestaltung von Anleihen sehr viele Freiheiten haben, können sie so selbst bestimmen, zu welchen Bedingungen sie Kredite aufnehmen möchten. Die vielen Einzelkredite bzw. Anleihen werden von dem jeweiligen Emittenten an Privatanleger »verkauft«.
Dies bedeutet, der Privatanleger zeichnet die Anleihe, indem er der öffentlichen Hand oder einem Unternehmen einen Kredit in der Höhe ihres Nennwertes gewährt. Mit Zeichnung der Anleihe bzw. mit der Investition des Kapitals wird der Anleger zu einem der Gläubiger des Emittenten. Der Zeichner einer Anleihe erwirbt das Recht, nach einem vorher bestimmten Zeitraum nicht nur das Kapital zurückzuerhalten, welches er als Kredit zur Verfügung gestellt hat, sondern zusätzlich auch einen festgelegten Zins – den sogenannten Nominalzins der Anleihe. Da der Nominalzins über den gesamten Zeitraum gleich bleibt und somit unabhängig von der Entwicklung des allgemeinen Zinsniveaus ist, bezeichnet man Anleihen auch als festverzinsliche Wertpapiere. Die Zinszahlung an den Inhaber der Anleihe kann entweder als Gesamtsumme nach Ablauf der vorher festgelegten Laufzeit oder aber jährlich erfolgen. Anleihen kann man nach ihren jeweiligen Emittenten folgendermaßen gliedern:
Anleihen der öffentlichen hand
Staatsanleihen: Emittenten sind nahezu alle Staaten von Argentinien bis Zimbabwe. Die Anleihen der Bundesrepublik Deutschland werden als Bundeswertpapiere bezeichnet. C Anleihen staatlicher Gebietskörperschaften im In- und Ausland z. B. von Bundesländern, Provinzen, Städten und Gemeinden.
Bankschuldverschreibungen
In Deutschland gesetzlich zugelassene Emittenten von Bankschuldverschreibungen sind: Hypothekenbanken, Landesbanken/Girozentralen, öffentlich-rechtlich Grundkreditanstalten. Ihre Bankschuldverschreibungen bieten hohe Sicherheit, da selbst im Konkursfall des Emittenten die Zeichner dieser Anleihen vor allen anderen Gläubigern ihr investiertes Kapital zurückerhalten. Man bezeichnet sie daher auch als gedeckte Bankschuldverschreibungen. |