6 DIE RICHTIGE AKTIE ZUR RICHTIGEN ZEIT (S. 167-169)
6.1 Das grundlegende Prinzip
Es gibt zahlreiche Methoden der Aktienauswahl. Jede hat ihre Vor- und Nachteile, keine ist richtig oder falsch. Ob Antizykliker oder Trendfolger, entscheidend ist, dass die gewählte Methode zum Anleger passt. Eine alte Börsenweisheit besagt, dass der Trend der beste Freund der Börse ist. Kurse neigen dazu, erst einmal die eingeschlagene Richtung beizubehalten, vergleichbar mit einem schnell beschleunigenden Auto. Es ist unwahrscheinlich, dass es seine Richtung plötzlich um 180 Grad ändert. Genauso ist es mit einem starken Trend. Natürlich bricht auch der irgendwann, aber wenn man sich zu früh dagegenstellt, kann er einen überrollen.
Es ist sinnlos, den Beginn eines neuen Markttrends bestimmen zu wollen. Es reicht aus, auf einen etablierten Trend aufzuspringen. Dann hat man zwar die ersten Gewinne verpasst, aber man vermeidet die Gefahr unter die Räder zu kommen. Trends können oft länger dauern als einem lieb ist. Deshalb ist es besser, ihnen zu folgen. Vorsicht ist jedoch dann angebracht, wenn ein Trend in aller Munde ist. Dann besteht die Gefahr, dass man womöglich als letzter auf einen bereits ausgereizten Modetrend aufspringt, der bald zusammenbricht. Versuchen Sie also nicht zu erahnen, wie lange ein Trend laufen kann!
Konzentrieren Sie sich auf die Richtung und bleiben Sie flexibel, wenn der Trend bricht! Erfolgreiche Trendfolger beherzigen die Maxime, Verluste zu minimieren und Gewinne laufen zu lassen. Trendfolger erzielen erstaunliche Renditen. In einer immer komplexeren Welt konzentrieren sie ihre Entscheidungen auf einfache und verlässliche Wahrheiten, den Kurs. Ich selbst verwende gerne Trendfolgestrategien. Je nach Markt, Anlageziel und Zeithorizont nutze ich weitere Tradingansätze wie Volatilitätsausbrüche oder antizyklische Elemente. Dennoch hüte ich mich davor, gegen den Primärtrend zu handeln.
Sinnvoller ist es, eine Korrektur zum antizyklischen Einstieg in Richtung des Primärtrends zu nutzen. Es gibt eine Vielzahl von Trends. Neben der Bezeichnung der Bewegungsrichtung verwendet man den Begriff noch im Zusammenhang mit historischen Kurs- und Verhaltensmustern. Manche sind leicht erkennbar und zuverlässiger als andere. Einige treten bevorzugt im Rahmen bestimmter Ereignisse auf, andere variieren hinsichtlich Dauer und Häufigkeit. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Rohstoffhaussen 10 bis 20 Jahre dauern, während Daytrader schon glücklich sind über einen profitablen 30 Minuten Trend.
Trends verändern sich auch. Neue treten auf, alte verblassen. Es gibt an den Kapitalmärkten keine Garantie für ewige Beständigkeit. Dennoch ist es vorteilhaft, den Trend auf seiner Seite zu wissen. Die Chancen auf profitable Investments erhöhen sich. Dem Trend zu folgen ist ein einfaches, aber in der Wirkung geniales Prinzip. Viele der in diesem Buch vorgestellten Methoden implizieren die Existenz von Trends. Ohne Trends brauchte man gar nicht mehr über die Technische Analyse nachzudenken. Manche Trends entstehen deswegen, weil viele daran glauben, anderen liegen fundamentale oder psychologische Gesetzmäßigkeiten zugrunde. Bei einigen lassen sich die Ursachen nie klären. Aber sollte man deswegen auf so nützliche Bewegungen verzichten und nicht davon profitieren?
Trends zeichnen sich außerdem noch durch folgende Eigenarten aus:
Ein Aufwärtstrend ist gekennzeichnet durch sukzessiv steigende Hochund Tiefpunkte. Es müssen mindesten zwei Tiefpunkte vorhanden sein, um eine Trendlinie zeichnen zu können. Je mehr Tiefpunkte durch eine Trendlinie verbunden werden können, umso bedeutender ist sie. Bei einem Abwärtstrend verbindet man die Hochpunkte, die gemeinsam mit den Tiefpunkten fallen. Wenn der Trend gleichmäßig verläuft, kann ein Trendkanal gezeichnet werden. Der Trendkanal fängt die Kursbewegungen ein. Durchbrechen die Kurse eine Trendgerade, dann ist der Trend in Gefahr. |