Kapitel 5 Die bedeutendsten Handelsstrategien im Goldmarkt (S. 143-144)
Edelmetallmärkte funktionieren anders als andere Finanzmärkte. Dies hat zwei Gründe: Erstens unterliegt Gold anderen Marktgesetzen als beispielsweise Aktien oder Anleihen, zweitens sind die Marktzusammenhänge beim internationalen Handel für Gold andere als bei den übrigen Edelmetallen. Dies wurde in den länderspezifischen Ausführungen deutlich. Da im Goldhandel sehr viele verschiedene Produkte einsetzbar sind, ist es möglich, Futures-Strategien, Kassa-Strategien oder auch eine Kombination aus beiden umzusetzen. In der Theorie ist vieles möglich: Geht man von effizienten Märkten aus – im Sinne der Kapitalmarkteffizienz nach E. Fama –, so müsste man annehmen, dass Arbitrage immer getätigt wird, sobald sie möglich ist. Der Goldmarkt ist sicherlich kein reines Free Lunch für Arbitrage-Händler, dennoch sind Marktineffizienzen kurz nach ihrem Auftreten bald schon wieder bereinigt.
Folglich müssen Arbitrage- Händler am Markt aktiv sein, die genau diese Marktungleichheiten beobachten und diese dann auch ausnutzen, wenn die Gelegenheit günstig ist. Der Edelmetallmarkt ist – und das wird an den breit gefächerten Arbitrage-Möglichkeiten noch deutlich werden – nicht so effizient wie beispielsweise der Anleihenmarkt. Während bei den klassischen Märkten selten – und wenn, dann meist nur komplexe – Arbitrage- Geschäfte möglich sind, kann man im Goldmarkt teilweise schon mit einer eigentlich simplen Handelsstrategie wie der Cash-and- Carry-Arbitrage Erfolg haben. Im Folgenden werden einige der im Markt üblichen Handelsstrategien erläutert: Zunächst erfolgt eine theoretische Erklärung, dann werden die einzelnen Strategie anhand praxisrelevanter Zahlen dargestellt.
Die hier vorgestellten Handelsstrategien stellen eine Auswahl aus den am Markt praktizierten Geschäften dar. Sie erheben keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit. Ziel dieses Kapitels ist es, die verschiedenen Produkte in ihrem Einsatz zu erläutern und aufzuzeigen, wie Kassa- und Terminmärkte zusammenhängen und wie die physische Komponente den Markt so einzigartig macht. Zunächst zum Begriff der Arbitrage. Unter Arbitrage versteht man die Erzielung eines risikofreien Gewinns, indem beispielsweise die Preisunterschiede für ein gleichwertiges Gut an zwei verschiedenen Börsen ausgenutzt werden.
Hierzu muss das Gut – in unserem Fall eben Gold – in sich homogen sein. Diese Voraussetzung ist zwar gegeben, doch machen die historisch gewachsenen Strukturen und die Eigenschaft des Goldes, verformbar zu sein, den Austausch vergleichsweise problematisch. Wie bereits beschrieben wurde, wird Gold zwar global gehandelt, jedoch geht dieser Handel in unterschiedlicher Feinheit, Größe, Währung und Gewichtseinheit vonstatten. Es ist deshalb erforderlich, eine gemeinsame Vergleichsgröße zu schaffen, um zu untersuchen, wann welche Art von Arbitrage-Geschäften möglich ist. Da Gold zu zwei Dritteln der global möglichen 24 Stunden in US-Dollar und Unzen gehandelt wird, sollen diese Werte auch die Grundlage der weiteren Ausführungen sein. Der Kassapreis muss demnach immer auf eine Unze und in US-Dollar angepasst werden. Die dabei entstehenden Umrechnungskosten müssen in die Vergleichsrechnung miteinbezogen werden. Im Einzelnen handelt es sich dabei um die Spreads bei der Währungsumwandlung, um die Anpassung von logistischen Lagern, um die Barrengröße und weitere noch zu erläuternden Bedingungen. |