Vacheron Constantin (S. 113-114)
Die älteste Manufaktur der Welt
Die älteste Manufaktur der Welt 2005 feierte Vacheron Constantin einen großen Geburtstag: Die älteste Uhrenmanufaktur der Welt wurde 250 Jahre alt. Ein Vierteljahrtausend, eine spannende, wechselvolle Geschichte und trotz vieler Schwierigkeiten und Rückschläge nach wie vor, und völlig zu Recht, im Spitzensegment der Uhrenindustrie vertreten . der Prototyp einer Erfolgsgeschichte. Der Gründer der Manufaktur, Jean-Marc Vacheron, war ein sogenannter Cabinotier, also ein Uhrenhandwerker. Rund 800 gab es damals, Mitte des 18. Jahrhunderts in Genf. Ihnen sagte man eine ganz einzigartige Mentalität nach: Als „‚Aristokraten der Arbeiterklasse" waren sie bekannt und wegen ihrer geistvollen Gespräche über Kunst und Kultur bewundert, die sie zum Umgang mit allen Kreisen befähigte. Smalltalk würde man heute wahrscheinlich dazu sagen.
Dem beweglichen, hochbegabten und an vielem interessierten Vacheron aber behagte dieses gemächliche Leben nicht. 1755 gründete er in der Genfer Altstadt sein eigenes Unternehmen, die Keimzelle der legendären Manufaktur Vacheron Constantin. Als Uhrmacher hatte er politisch wie wirtschaftlich schwere Zeiten zu durchstehen: Hungerperioden, in denen potenziellen Käufern die Lust am Luxus verging und Vacheron kaum Abnehmer für seine Uhren fand, die missglückte Revolution in Genf von 1782 mit ihren üblen Folgen für die Bewohner. Doch Vacheron, Vater von fünf Kindern, kämpfte unverdrossen gegen die Widrigkeiten seiner Zeit. Wie damals meist üblich, waren beide Söhne, Louis André und Abraham, beruflich in die Fußstapfen des Vaters getreten. Der Firmenname wechselte in dieser Zeit mehrmals.
Grund waren die Gesetze des Ancien Régime und später des schweizerischen Unternehmensrechts, die keine dauerhaften Firmennamen gestatteten. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Firmen nach ihren Besitzern benannt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts übernahm Vacherons Enkel Jacques-Barthélemy das Ruder. Kurzfristig ging es wieder bergauf, Jacques-Barthélemy Vacheron arbeitete sogar . in aller Diskretion . für Abraham-Louis Breguet. 1819 holte er François Constantin als neuen Partner ins Boot . ein Glücksgriff. Denn der extravagante Constantin brachte nicht nur dringend benötigtes Kapital in das Unternehmen, sondern vor allem Vertriebserfahrung.
Mit Kutsche und zu Pferd reiste er durch die Lande und hatte, so die Legende, darunter so manchen Kampf mit Räubern oder gar Duelle der Firmenehre wegen zu bestehen. Sein äußerst prunkvolles Auftreten brachte ihm nicht nur Freunde ein. Doch es hieße, die Verdienste Constantins geringzuschätzen, wenn man sich nur über seinen Habitus äußerte. Die Zeiten waren hart damals. Zollvorschriften wurden oft kurzfristig geändert, Geldbußen willkürlich verhängt, und so mancher Käufer wollte sich an die Bestellung seiner teuren Uhr nicht mehr erinnern, wenn Constantin zur Auslieferung anreiste. Constantin gelang es nicht nur, Botschafter, reiste er durch die Lande und hatte, so d Firnchen Kampf mit Räubern oder gar Duelle der Firen zu bestehen. Sein äußerst prunkvolles Auftreten ht nur Freunde ein. |