7 Dividende + Value = mehr Gewinn, weniger Risiko (S. 107-109)
Value Investing – wie Sie einen Flop leichter vermeiden
»Die mit dem schnellen Geld kommen und verschwinden auch in der Hausse. Die soliden Typen aber überstehen auch die Baisse.« Aus »Wall Street«. Gut – Dividenden bringen für Sie als Anleger schöne Gewinne. Und Dividenden schützen Sie vor starken Kursrückschlägen. Meistens. Aber es gibt gelegentlich auch Reinfälle. Siehe Zapf Creation.
Solche Flops können Sie zwar nie zu 100% ausschließen. Aber Sie können das Risiko auf starke Kursverluste minimieren. Kombinieren Sie doch einfach zwei Dinge: hohe Dividende und Substanz = Value (werthaltig). Bei der Auswahl der dividendenstarken Aktien ist ja nicht nur wichtig, wie hoch die Dividendenrendite im vergangenen Jahr war, sondern vor allem, ob die Firmen auch in Zukunft weiterhin ordentlich ausschütten können.
Für Sie ist deshalb nicht nur die Dividendenrendite wichtig, sondern auch die Bewertung der Aktie und damit die Kursperspektiven. Das ist mit etwas Arbeit verbunden. Wer sich die Mühe macht und Aktien noch genauer unter die Lupe nimmt, der schafft dann aber oft noch höhere Gewinne. Ich habe beispielsweise für die Anlegerzeitung Euro am Sonntag seit 2002 einmal jährlich ein Musterdepot mit jeweils zehn fundamental gesunden und dividendenstarken deutschen Aktien nach Value-Kriterien aufgestellt. Mit diesen Value-Aktien machten die Leser deutlich mehr Gewinn als mit dem breiten Markt.
Brachte der DAX zwischen 2002 und 2005 einen Verlust von insgesamt rund 10%, so kletterte mein jährliches Value-Musterdepot in dem Zeitraum um 135%nach oben: mehr als ein Verdoppler beim Vermögen in einem wirklich lausigen Börsenumfeld! Und das ohne Zockerei! Einfach nur mit ganz soliden, vergleichsweise risikoarmen Aktien! Und Sie werden es sicher schon vermuten: Die meisten der gewählten Firmen zahlten hohe Dividenden – mit Renditen von 5, 6, ja 8% im Jahr.
Die Value-Strategie
Hier kommen wir zu einem alten Bekannten: Benjamin Graham. Das Finanzgenie hat nicht nur die Grundlagen für die Dogs of the Dow gelegt, sondern auch eine zweite profitable Anlagestrategie, die viel mit Dividenden zu tun hat, entwickelt. Nämlich 1934 das Value Investing. Der Grundgedanke ist einfach: Aktien haben einen inneren, also fairen Wert. Der Kurs schwankt im Lauf der Zeit um diesen Wert. Damit ist die Aktie mal teurer, mal billiger. Diesen fairen Wert können Sie als Anleger durch eine intensive Prüfung und Bewertung des Unternehmens ermitteln. Graham rät: Anleger sollten eine Aktie nur dann kaufen, wenn sie an der Börse billiger ist als ihr fairer Wert, und so lange warten, bis dieser Abschlag vom fairen Wert über steigende Kurse abgebaut ist. Diesen Abschlag vom Börsenkurs nannte er übrigens »Margin of Safety«, also ein Sicherheitspolster. Das bringt zwei Voreile:
Mehr Sicherheit: Value-Aktien sind deutlich weniger anfällig für starke Kursrückgänge als der breite Markt. Die Gründe sind einfach: Durch die intensive Prüfung einer Aktie auf Herz und Nieren werden Enttäuschungen über den Geschäftsverlauf ziemlich sicher vermieden. Gibt es doch einmal eine Fehleinschätzung, dann schützt der Kauf deutlich unter dem fairen Wert – üblich ist hier ein Abschlag von 20 bis 30% – den Value Investor zusätzlich. Besonders wichtig: Ein Kaufkriterium für Value-Investoren ist die Dividendenrendite. Eben weil auch sie vor starken Kursverlusten schützt.
Eine höhere Performance: Value-Investoren lassen den Markt bei der jährlichen Performance weit hinter sich. Benjamin Graham etwa erzielte mit seiner Investmentfirma zwischen 1929 und 1956 für seine Klienten einen jährlichen Vermögenszuwachs von 17%. Einer seiner Schüler, der bekannteste Value-Investor der Welt, Warren Buffett, ist allerdings noch besser: Der Buchwert seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway (ISIN US0846701086 und ISIN US0846702076) stieg zwischen 1965 und 2004 im Durchschnitt pro Jahr um 21,9%.
Der breite US-Aktienmarkt mit dem S&,P 500, in dem die 500 größten US-Aktiengesellschaften notieren, brachte nur ein jährliches Plus von durchschnittlich 10,4%. Bei Berkshire Hathaway zeigt sich auch das Thema Sicherheit sehr deutlich. Denn der Buchwert der Aktie fiel in diesem Zeitraum von 40 Jahren tatsächlich nur ein einziges Mal, nämlich im Jahr 2001 um 6,2%. Der S&,P 500 hatte dagegen zehn Verlustjahre mit einem maximalen Minus von 26%. |