11 Trends Biotechnologie (S. 177-178)
In diesem Kapitel: >, Weitere Trends aus Themen-, Länder- und Kapitalmarktsicht. >, Schweiz und Indien: Länderbeispiele mit Biotech-Potenzial. >, Langfristige Themen der Biotechnologie: Individuelle Medizin, Stammzellen, Gentherapie und Wirkstoffe aus Pflanzen. >, Antikörper, Molekulare Diagnostik, Tumorvakzine und Proteomik sind im Kommen.
Den Abschluss sollen nun einige weitere Biotech-Themen bilden, die besondere Aufmerksamkeit verdienen – ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.
11.1 Thementrends
Indikationen
Bei der Entwicklung neuer Medikamente stehen immer wieder die Zivilisationskrankheiten in den Industrienationen, mit einer hohen Anzahl Betroffener und mit funktionierenden Gesundheitsmärkten, an oberster Stelle. Zu den häufigsten Todesursachen gehören hier Herzkreislauferkrankungen und Krebs, aber auch Diabetes, Adipositas, Infektionskrankheiten und Autoimmunerkrankungen. Immer stärker geraten jedoch Medikamentenentwicklungen ins Blickfeld, die den Anforderungen einer alternden Bevölkerung Rechnung tragen.
Darunter fallen Medikamente gegen Augenkrankheiten, aber auch gegen Alzheimer und Parkinson. Wer hier die richtigen Trends aufspüren will, kann sich zum Beispiel beim Verband Forschender Arzneimittelhersteller informieren. Auf dessen Internetseiten, www.vfa.de, gibt es unter »Wer woran forscht« die Möglichkeit, die Forschungsschwerpunkte der Mitgliedsunternehmen – darunter auch viele weltweit agierende Pharma- und Biotech-Unternehmen – zu analysieren. Aber auch ein Besuch auf den Internetseiten des Bundesgesundheitsministeriums oder der Organisationen anderer führender Pharmanationen kann helfen. Wer täglich aufmerksam die Nachrichten in der Presse, im Fernsehen und im Internet verfolgt, erfährt bereits viel über bestimmte Krankheiten und die Größe der Patientenzahlen und kann so Nachrichten aus der Biotechnologie besser einschätzen.
Molekulare Diagnostik
Die zukünftige Diagnostik und die Einleitung vorbeugender Maßnahmen zur Umgehung teurer Behandlungskosten wird zunehmend auf der Genomebene des einzelnen Menschen stattfinden. Die molekulare Diagnostik ist ein Teilsegment der Diagnostik, genauer des In-vitro-Diagnostik- Marktes. In ihrem Rahmen werden die aus dem menschlichen Körper stammenden Blut-, Urin- oder Gewebeproben untersucht. Die Erkenntnisse des humanen Genomprojektes und das damit einhergehende zunehmende Verständnis biomolekularer Zusammenhänge ermöglichen es heute, Details über den Gesundheitsstatus einer Person aus ihren Erbanlagen – wie sie etwa in einem Blutstropfen enthalten sind – zu gewinnen.
Dabei geht es nicht nur um die Aufdeckung einer bereits Symptome zeigenden Krankheit, sondern gerade auch um Prognosen über die Eintrittswahrscheinlichkeit gravierender und nur teuer zu behandelnder Erkrankungen. Derzeit machen ein Test zur frühzeitigen Erkennung des Gebärmutterhalskrebs verursachenden humanen Papillomvirus (HPV) und die rechtzeitige Einleitung minimal invasiver Behandlungsmaßnahmen von sich reden. Die Kosten für einen solchen Test dürften 100 Euro kaum überschreiten. Gleichzeitig hilf er dabei, Operationen in Höhe von mehreren Tausend Euro pro Patient sowie falsche oder sogar schädliche Therapien zu vermeiden.
Dieser enorme wirtschaftliche Nutzen ist auch der Grund für die guten Zukunftsaussichten des Diagnostikmarktes. Steigenden Gesundheitsausgaben kann so begegnet werden. Bis vor kurzem war Roche Diagnostics noch unangefochtener Weltmarktführer. Jetzt hat sich jedoch das Dax-Schwergewicht Siemens durch Unternehmenszukäufe, wie zum Beispiel Bayer Diagnostics, nach vorn gespielt. Weitere große Marktteilnehmer sind die börsennotierten Abbott, Becton Dickinson, Beckman Coulter, bioMérieux und Sysmex. Aber noch andere Namen kleinerer Vertreter treten zunehmend ins Rampenlicht wie Qiagen – durch die Verschmelzung mit Digene –, Geneprobe, Luminex oder Genomic Health. |